Therapeutische Trance ist fokussierte Aufmerksamkeit, die auf bestmögliche Weise so gesteuert wird, dass der Patient seine Ziele erreicht.“

Milton Erickson

Imaginative-/ Entspannungstechniken vor und während medizinischen Eingriffen – was hat es damit auf sich?

Es gibt viele Namen für eine einfache Methode, das Wohlbefinden und die Selbstkontrolle z.B. während medizinischer Eingriffe zu fördern: medizinische Hypnose – Selbsthypnose – Traumreise – Entspannungsübung – Trance – nichtpharmakologische Analgesie – Fokussierung.

„Just don’t use the H-Word“ hat Frau Prof. Lang am Beth Israel Medical Center in Boston mal gesagt und damit gemeint, dass die Vorurteile zu hypnotherapeutischen Techniken immer noch weit verbreitet sind. Da kann alleine das Wort „Hypnose“ abschreckend wirken, es kommen unangenehme Vorstellungen von Showhypnosen auf der Bühne in den Kopf. Oder von Menschen mit Pendeln, die anderen Dinge suggerieren, die diese dann willenlos tun und sich damit völlig blamieren. Dem möchte sich verständlicherweise keiner aussetzen.

Moderne Entspannungstechniken haben damit nichts zu tun. Es geht vielmehr um das Gegenteil, nämlich um mehr Selbstwirksamkeit und eigene Kontrolle. Es geht darum, dem Klienten/ der Klientin beim Erreichen eines Ziels zu helfen, indem er oder sie lernt, die eigene Aufmerksamkeit so zu lenken, dass in ihm/ ihr schon vorhandene Ressourcen aktiviert werden. Von außen kann sich das anhören wie ein normales Gespräch, wie eine Geschichte, oder je nach Setting auch durch eine „formale“ Einleitung beginnen. Jeder kennt das Gefühl der Trance – z.B., wenn man so absorbiert von einem guten Buch ist, dass man Zeit und Raum um sich herum ganz vergisst. Oder wenn es sich mal wieder so anfühlt, als sei das Auto ohne eigenes Zutun ganz automatisch mit einem nach Hause gefahren.

Im medizinischen Setting geht es meist um den Umgang mit Angst und Schmerzen während Untersuchungen oder Eingriffen. Beliebte Anwendungen sind Zahnarztbesuche, ambulante Operationen ohne Vollnarkose oder auch Untersuchungen im MRT.

Die Technik der Anleitung zur Selbsthypnose habe ich während eines Forschungsaufenthalts im Rahmen meiner Doktorarbeit1-2 erlernt. Damals arbeitete ich in der Arbeitsgruppe von Frau Prof. Lang (Harvard Medical School) in Boston, USA. Die Gruppe forschte an den Effekten von Selbsthypnose auf die Befindlichkeit und das Outcome von radiologischen Eingriffen. Es zeigte sich, dass die Patienten dabei deutlich weniger Angst und Schmerzen hatten als die Vergleichsgruppe. Außerdem brauchten sie weniger angst- und schmerzstillende Medikamente und die Operationen gingen insgesamt schneller, da die Patienten besser kooperieren konnten.1-4

Ich bin Trainerin bei Comfort Talk®, einer Gesellschaft, die international medizinisches Fachpersonal in diesen, aus den Studien hervorgegangenen Techniken schult.

Literaturangaben:
1) Schupp C*. Effekt der präoperativen Angst bei interventionell-radiologischen Eingriffen auf Operationsdauer, perioperative Medikation sowie Angst- und Schmerzempfindung. Modulation durch Methoden der nicht-pharmakologischen Analgesie. Heidelberg. Dissertation zum Dr. med., vorgelegt 2007
2) Schupp C*, Berbaum K, Berbaum M, Lang EV. Pain and anxiety during interventional radiological procedures. Effect of patients’ state anxiety at baseline and modulation by nonpharmacologic analgesia adjuncts. J Vasc Intervent Radiol, 2005; 16:1585-1592
3) Lang EV, Benotsch EG, Fick LJ, Lutgendorf S, Berbaum ML, Berbaum KS, Logan H, Spiegel D. Adjunctive non-pharmacological analgesia for invasive medical procedures: a randomised trial. The Lancet 2000; 355:1486-1490
4) Elvira V. Lang, Kevin S. Berbaum, Salomao Faintuch, Olga Hatsiopoulou, Noami Halsey, Xinyu Li, Michael L. Berbaum, Eleanor Laser, Janet Baum. Adjunctive Self-hypnotic Relaxation for Outpatient Medical Procedures: A Prospective Randomized Trial with Women Undergoing Large Core Breast Biopsy Pain. 2006 Dec 15; 126(1-3): 155–164.

* jetzt Kleber C

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